Gottesdienst am Palmsonntag um den Tisch

Dieses Jahr wird ein Tisch, der im Kirchenraum aufgestellt wird, ein zentrales Element der Karwoche. Leider gibt es bis auf ein Tischabendmahl am Gründonnerstag kaum Vorlagen. Also schreibe ich die Gottesdienste selbst. Es geht los dem mit dem Palmsonntag rund um den Tisch.

Tisch in der Mitte, ungedeckt. Stühle am Tisch. Andere Stühle normal aufgebaut.

Musik zum Anfang

Begrüßung

Willkommen zum Palmsonntag. Der Tisch ist ein zentrales Element in dieser Karwoche. Um ihn herum passiert vieles. Daher fangen wir heute am Tisch an und feiern im Namen Gottes des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Musik: 452,1-3.5 Er weckt mich alle morgen

Lesung und Impuls 1: (Joh 12,1-6.8, Basisbibel)

Sechs Tage vor dem Passafest kam Jesus wieder nach Betanien. Dort wohnte Lazarus, den er von den Toten auferweckt hatte.

Zusammen mit seinen Schwestern veranstaltete er

ein Festmahl für Jesus. Marta bewirtete die Gäste.

Lazarus lag mit Jesus und den anderen zu Tisch.

Da nahm Maria eine Flasche Salböl. Es war reines, kostbares Nardenöl. Damit salbte sie Jesus die Füße.

Dann trocknete sie seine Füße mit ihren Haaren ab.

Das ganze Haus wurde vom Duft des Salböls erfüllt.

Da sagte einer von den Jüngern, Judas Iskariot, der Jesus später verriet: »Warum hat man dieses Salböl nicht für 300 Silberstücke verkauft und das Geld den Armen gegeben?«

Doch Jesus erwiderte: »Lass sie! Sie hat es aufbewahrt, um mich damit schon heute für mein Begräbnis zu salben.

Arme wird es immer bei euch geben.

Aber mich habt ihr nicht für immer bei euch.«

Was für ein Stimmungskiller. Dabei waren alle so gut drauf. Es gab zu Essen und zu trinken, wurde gefeiert.

Ja, mit Jesus herumziehen war oft enthaltsam, aber feiern konnte Jesus auch. So auch bei Lazarus: Der hatte aufdecken lassen, Marta hatte wie immer ganze Arbeit geleistet. Alles versammelte sich um den Tisch.

Und dann dieser Stimmungskiller: Erst Maria mit ihrer komischen Aktion. Aber musste dann auch noch Judas den Moralapostel spielen?

Und dann kommt Jesus: „Sie hat es aufbewahrt, um mich damit schon heute für mein Begräbnis zu salben. Arme wird es immer bei euch geben. Aber mich habt ihr nicht für immer bei euch.“

Musste das sein? Jetzt in dieser schönen Stimmung über den Tod zu sprechen. Na klar würde Jesus irgendwann sterben, aber er war doch noch Jung. Knapp über 30. Und auf dem Höhepunkt seiner Macht.

Morgen, da würde es nach Jerusalem gehen. Kann gut sein, dass da jede Menge Menschen jubeln. Immer mehr Leute hatten Jesus in den letzten Tagen zugeschaut.

Morgen, da könnte man ihm zujubeln!

So vielleicht die Gedanken einiger Jünger am Tisch. Sie brechen dann auf, vom Tisch. So brechen auch wir auf, zurück in die Kirchenbänke und sprechen dann den gemeinsamen Psalm

Musik: instrumental

Wir beten den Psalm 118

Psalm 118 in Auszügen

Dies ist der Tag, den der HERR macht; lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein.

O HERR, hilf! O HERR, lass wohlgelingen!

Gelobt sei, der da kommt im Namen des HERRN!

Dankt dem Herrn! Denn er ist gut.

Für immer bleibt seine Güte bestehen.

Öffnet mir die Tore der Gerechtigkeit!

Ich darf hindurchgehen und dem Herrn danken.

Dies ist das Tor, das zum Herrn führt.

Nur die Gerechten gehen hindurch.

Der Stein, den die Bauleute verworfen haben,

der ist zum Grundstein geworden.

Dies ist der Tag, den der Herr gemacht hat.

Lasst uns jubeln und uns freuen über ihn!

Gesegnet sei, wer im Namen des Herrn kommt!

Lesung und Impuls 2: Einzug nach Jerusalem (Joh 12,12-18.19, Basisbibel)

Am nächsten Tag hörte die große Menge, die sich zum Fest in der Stadt aufhielt: Jesus ist auf dem Weg nach Jerusalem.

Da nahmen sie Palmzweige und liefen ihm entgegen.

Sie riefen: »Hosianna! Gesegnet sei, wer im Namen des Herrn kommt! Er ist der König Israels!«

Jesus fand einen jungen Esel und setzte sich darauf.

So steht es auch in der Heiligen Schrift:

»Fürchte dich nicht, Tochter Zion!

Dein König kommt! Er sitzt auf dem Jungen einer Eselin.«

Die Jünger von Jesus verstanden das zunächst nicht.

Aber als Jesus in seiner Herrlichkeit sichtbar war,

erinnerten sie sich daran. Da wurde ihnen bewusst, dass sich diese Stelle in der Heiligen Schrift auf ihn bezog.

Denn genau so hatten ihn die Leute empfangen.

Die vielen Leute, die dabei gewesen waren, bezeugten:

»Er hat den Lazarus aus dem Grab gerufen

und ihn von den Toten auferweckt!«

Deshalb kam ihm ja auch die Volksmenge entgegen.

Sie alle hatten gehört, dass er dieses Zeichen getan hatte.

Jede Menge Erwartungen waren an Jesus geknüpft: Hatte er nicht angeblich Wunder getan?

Hatte er nicht angedeutet Gottes Sohn zu sein?

Der Messias, der Retter, der Gottes Herrschaft wieder aufrichten würde? Er würde sicherlich für soziale Gerechtigkeit sorgen, den Reichen ihr Geld nehmen und den Armen es geben.

Er würde die Römer entmachten und alle ihre Verbündeten. Er würde…

Jede Menge Erwartungen waren an Jesus geknüpft. Und so standen sie da und jubelten ihm zu. „Gesegnet sei, wer im Namen des Herrn kommt!

Erwartungen, Hoffnungen: sie können Kraft geben. Ihre eigene Dynamik entwickeln. Und so denen gefährlich werden, die erstmal nichts ändern wollen. So auch bei Jesus:

Aber die Pharisäer sagten zueinander: »Da merkt ihr, dass ihr nichts machen könnt. Alle Welt läuft ihm nach!«

Im Markus-Evangelium steht weiter: Und sie beschlossen ihn zu töten.

Auch das eine gefährliche Dynamik. Denn Töten schafft keinen Frieden, keine Gerechtigkeit, das sehen wir in diesen Tagen in der Weltpolitik. Aus einem kurzen Töten kann eine ganze Region in Krieg versetzt werden.

Und wer heute für das eine jubelt, ist morgen vielleicht schon ein Gegner, auch das erzählt der Palmsonntag. Die jubelnde Menge wird in einigen Tagen „Kreuzigt ihn!“ schreien.

Friede kommt anders. Friede wird nicht durch Menschenmacht geschaffen. Und Gottes Friede ist nicht Entmachtung oder gewaltsame Umverteilung.

Gottes Friede kommt anders. Er beginnt mit einer Flasche Salböl und einer Tat aus Liebe heraus.

Gottes Friede führt vielleicht erstmal zu Widerspruch: Das ist doch so nicht erlaubt, müsste man nicht ganz anders?

Bei Gott ist alles ganz anders, daran erinnert uns der heutige Tag. Da wird der sogar der Stein, den die Bauarbeiter wegwerfen zum alles entscheidenden Eckstein.

Palmsonntag heißt: Das Aushalten. Auf Gott vertrauen und aushalten, dass er Sachen ganz anders regelt, als wir es gewohnt sind. Aushalten und auf ihn Vertrauen.

Denn er ist gut. Für immer bleibt seine Güte bestehen.Amen.

Musik: nur instrumental

Abkündigungen

Fürbitte

Vaterunser

Segen

Lied: 588,1-6 Herr gib uns Mut zum Hören

Musik zum Ende

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