Die Nazi-Vergangenheit erforschen

Hinweis: aktualisierte Version vom 16.5.2026

Vor kurzem ist die NSDAP Mitgliederdatei vom US-Nationalarchiv veröffentlicht worden. Eine äußerst interessante Quelle auf der Suche nach der NS Vergangenheit der Großeltern. Vor allem, wenn man wie ich aus den Spruchkammerakten weiß, dass ein Großvater NSDAP Mitglied war.

Zwar kann man diese auch über das Bundesarchiv anfordern, aber das dauert doch länger.

Allerdings sind die Dateien beim US Nationalarchiv sehr kompliziert einzusehen. Die ZEIT macht es nun leichter und hat eine einfache Suche zur Verfügung gestellt. Jedoch ist sie hinter einer Paywall.

In meinem Fall habe ich gleich nach meinem Großvater geschaut und in der Zentralkartei nichts gefunden, aber dafür in der Gaukartei. Beim Blick auf die anderen Personen mit dem seltenen Nachnamen kam heraus: Die ganze Familie ist eingetreten. Meine Urgroßeltern, mein Großvater und alle volljährigen Geschwister. Zu unterschiedlichen Zeiten, aber irgendwann waren alle dabei.

Ich kam deshalb darauf, da alle die gleichen Adressen hatten. Es wurde in der Zeit umgezogen, die Adressen sind jeweils identisch.

Nebeneffekt: Ich wusste, dass er 10 Geschwister hatte, wusste aber deren Namen und Geburtsdaten nicht. Bei einem Teil habe ich sie über die NSDAP Gaukartei erfahren.

Die Kartei umfasst nicht alle Namen, da einige bereits in der Papiermühle zerstört waren. Dennoch wurden die meisten gerettet. So fehlt weitere Verwandtschaft, wo wir aus den Spruchkammerakten ebenfalls wissen, dass er in der Partei war.

Noch zu den Spruchkammerakten: Sie sind eine sehr interessante Möglichkeit etwas über die NS Zeit zu erfahren. Man kann sie bei den örtlichen Archiven anfordern, bei mir ging es jeweils innerhalb weniger Wochen.

Update: Inzwischen hat der Spiegel anlässlich 81 Jahre Kriegsende ebenfalls die NSdAP Mitgliederkartei von einer KI auswerten lassen. Man kann nun auch über Orte und Geburtsdaten suchen. Allerdings eben nicht per Hand blättern.

Dort habe ich meinen Uronkel gefunden, bei dem wir immer von einer Mitgliedschaft ausgingen: anhand der Kombi Geburtsname/Geburtsdatum. Er hieß eigentlich Karl, wurde aber als Carl notiert. So hatte ich ihn bei der Zeitdatenbank übersehen.

Dafür habe ich meinen Großvater und seine Familie in dieser Suche nicht gefunden. Es lohnt sich also eine Kombi aus den Suchen.

Allerdings haben auch andere die Spiegel KI anhand verifizierter Stichproben getestet und das Ergebnis ist mehr als unbefriedigend.

Es gibt auch noch weitere Suchen: Ein Programmierer hat die Datenbank durchsuchbar gemacht. Von Correctiv und Katapult wurden sie nun veröffentlicht. Wie es dazu kam erzählt er hier.

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