Wer war „Opa Ewert“?

Seit einigen Wochen beschäftige ich mich mit Ahnenforschung. Mit einzelnen Beiträgen will ich daran teilhaben lassen. Heute: Wer war „Opa Ewert“?

Gestern war ich bei eine meiner Tanten. Meine Mutter meinte, sie könnte Unterlagen zur Ahnenforschung haben. Ich hoffte auf den Jackpot wie einen Ahnenpass oder andere schriftliche Unterlagen, an denen ich meine Vorfahren ersehen könnte.
Die gab es nicht. Aber zahlreiche Fotos aus der Heimat meiner Großmutter, Baldenburg im Kreis Schlochau, das heutige Biały Bór.

Das Durchschauen der Unterlagen wurde also zu einer Reise in die Vergangenheit und zu Verbundenheit mit einer nicht mehr existierenden Stadt, Kultur und Lebensgemeinschaft: 80% der Stadt wurden im Krieg zerstört, die dort ansässigen Deutschen flohen, es wurden andere Gruppen angesiedelt.
In den 1970ern hat meine Großmutter – gebürtig Elise Ewert- Baldenburg wieder besucht, anscheinend mit anderen Personen, die von dort stammten und die alte Heimat versucht wiederzuentdecken.

Davon liegt nun ein Fotoalbum auf meinem Tisch. Ganz zum Schluss: Fotos mit Beschriftungen. Und Nachnamen, die mir bekannt sind: Franz Ewert und „Opa Ewert. 31.5.1935“. Außerdem das Bild eines Grabsteins: Friedrich und Emilie Ewert.

Gleichzeitig habe ich einen Brief meiner Oma von ca 1983 an andere Baldenburger, in dem meine Oma an das Leben dort erinnert.
Viele Namen und „Baldenburger Originale, die Nachkommen mögen es mir verzeihen“ werden aufgeführt. Da taucht er wieder auf: Onkel Franz, Opa Ewert.

Ewert, der gleiche Name wie meine Oma. Ist das ihr Opa, mein Ururgroßvater? Oder wurde er einfach im ganzen Dorf so genannt und ist gar nicht mit mir verwandt? Aber wieso sollte sie dann ein Foto von ihm 60 Jahre aufbewahrt haben?

Auf einem anderen Foto entdecke ich meine Großmutter und meine eigene Mutter als Teenager. Auch weitere Ewerts werden auf der gleichen Seite genannt. Wer sind sie alle? Verwandtschaft?

Nun beginnt das Suchen: Wer ist dieser Ernst Ewert? Hat er Kinder? Ist einer mein Uropa? Oder finde ich Unterlagen zu meinem Uropa, in der seine Eltern verzeichnet sind?

Ansatzpunkt ist mein Urgroßvater, der Großvater meiner Mutter mütterlicherseits. Seine Identität konnte ich vor zwei Wochen klären: Karl Johann August Ewert.
Geboren 1890, im 1. Weltkrieg gedient und verletzt, zweimal verheiratet, vor dem Tod seiner zweiten Frau für Tod erklärt. Wenn ich den Namen seines Vaters erfahre kann ich sagen, ob Erwin Ewert mein Ururgroßvater ist. Also beginne ich mit meinem Uropa: Ich weiß aus einer Verlustliste, dass er im 1. Weltkrieg gedient hat. Finde ich eine Kriegsstammrolle? Von meinem anderen Uropa weiß ich, dass dort die Eltern verzeichnet sind. Aber während die bayerischen Kriegsstammrollen fast vollständig vorhanden sind und bei Ancestry zu finden sind, ist das bei den preußischen nicht der Fall. Auch die standesamtlichen Eintragungen und kirchlichen Bücher aus Baldenburg aus diesen Jahren sind verloren gegangen.

Ich schaue also nochmals auf das Bild, nehme es vorsichtig raus und drehe es um: „Ernst Ewert am 75. Geburtstag 31.5.1934 in der Schmiede“. Wir haben also zu diesem Ernst Ewig ein Geburtsdatum.

Bei Ancestry entdecke ich nun seine Sterbeurkunde:

Auszug Totenregister
Quellenangabe
Landesarchiv Berlin; Berlin, Deutschland; Personenstandsregister 1876-1945; laufendenummer: 2238
Angaben zur Quelle
Ancestry.com. Östliche preußische Provinzen, Polen, Personenstandsregister 1874-1945 [Datenbank online]. Provo, UT, USA: Ancestry.com Operations, Inc., 2016.
Ursprüngliche Daten: Zivilstandsregister, 1874–1945. Digital images. Landesarchiv, Berlin, Deutschland.

Ja, das ist offensichtlich der gleiche. Nun haben wir den vollen Namen, die Eltern, die Ehefrau, ein Ehedatum. Aber noch keine Kinder.

Ich gebe den Namen bei meiner Stammbaumseite geneanet.org ein und erhalte einen einen Treffer: Jemand anders hat ebendiesen Johann Ernst Ewert in seinem Stammbaum, allerdings mit einem anderen Sohn: Friedrich Ewert, der mit einer Erna Ewert verheiratet ist. Bei den Bildern meiner Oma finde ich die Bilder des Grabes der beiden. Es scheint Verwandtschaft zu sein.

Ich versuche ancestry und gebe dort den Namen ein. Auch dort führt der Name sofort zu Treffern. Diesmal allerdings mit einem anderen Sohn: Franz Ewert.

Auch dieser Name kommt mir bekannt vor: aus dem Brief an die Baldenburger weiß ich, dass er den Betrieb des Vaters übernommen hatte. Er wird als „Onkel Franz“ bezeichnet und auch er erscheint beim Baldenburger Treffen mit Foto im Fotoalbum meiner Oma. Übrigens gibt es aus dem Jahr 1933 ein Telefonbuch, bei dem beide mit gleicher Adresse erscheinen. Es scheint also sein Sohn zu sein.

Ich schreibe die beiden Stammbaumbesitzer an und schreibe sie an, ob Sie wissen, ob Johann Ernst Ewert weitere Söhne hatte. Habe ich Verwandtschaft entdeckt?

Während ich warte, suche ich weiter und entdecke einen weiteren Totenregisterauszug: Johann Ernst Ewert hatte eine Tochter, Elisabeth Ewert, 1906-1913.

In der Zwischenzeit antworten beide: In der Familie von Friedrich Ewert wird sich an eine Cousine Winchen aus Regensburg erinnert. Und auch Franz Ewert ist eindeutig der Sohn von Johann Ernst Ewert. Offensichtlich ist es „Onkel Franz“. Auch wenn schriftliche Beweise fehlen: Ich bin mir sehr sicher, meinen Ururopa gefunden zu haben.

Comments from Mastodon:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert